Collagieren & Demontieren

in: MISSY 02/2019


Wir alle kennen sie – die Botschaften aus den vereinigten Ländern des Neoliberal-individualismus. In Aussicht stellen sie allesamt das Versprechen auf Gleichheit – im Gegenzug für eine Leistung, unabhängig von Alter und Geschlecht. Gerichtet sind derartige Messages immer an ein Allgemein-Menschliches, im O-Ton zu vernehmen von Horst Seehofer ebenso wie aus dem Ministerium für Inneres: „Bei der Bayerischen Polizei sind mit Sicherheit alle gleichberechtigt – wer was leistet, kommt weiter.“ Lena Lucia Kühnleins Zine „Mannerism – just a bad habit?“ ist gespickt mit Zitaten wie diesen, die Art und Weise wie die Künstlerin sie arrangiert, verrückt mit dem Kontext jedoch auch den Bedeutungsgehalt. Wenn Kühnlein Seehofers Worte mittels Risographie-Verfahren vervielfältigt, dann tut sie dies nicht kommentarlos. Durch unterschiedliche Farbwerte als Zitat, Alltagsbeobachtung oder allfällige Common-Sense-Weisheit markiert, wird das Gesagte, illustriert durch einfach gehaltene, grafische Sujets, zum Ausdruck eines gesellschaftlich weitläufig tolerierten „Mannerism“. Es ist Teil eines Ensembles an Handlungen und Praktiken, die mit sexistischen und diskriminierenden Implikationen für Frauen* einhergehen. Kühnlein macht nicht nur sichtbar, sie interveniert – mit anderen Zitaten an der richtigen Stelle, zum Beispiel von Virginia Woolf: „Viele erfolgreiche Männer haben keinerlei sichtbare Qualifikation außer der, keine Frau zu sein.“


Lena Lucia Kühnlein: Mannerism – just a bad habit?, Selbstverlag, 94 Seiten