Über das Experimentieren mit Hard- und Software – oder:
die Wiedergeburt der WC-Ente aus Seifenlauge und Elektronik

„Außerdem erkläre ich Ihnen, daß ich noch keinen Techniker kennen gelernt habe, der nicht im Geheimen ein Perpetuum mobile zu erfinden versucht hatte“ bemerkte Paul Scheerbart 1907. Zeitlebens arbeitete er – als Autor und Anarchist – an der Realisierung einer unmöglichen Maschine. Den Entstehungsprozess von Scheerbarts eigensinnigem Gerät hat sein Freund Erich Mühsam im Band Unpolitische Erinnerungen festgehalten:

„Zu den Rädern und Gewichten, zu seiner von früh bis spät betreuten Bastelarbeit gewann aber Scheerbart eine immer persönlichere Beziehung. »Perpeh« nannte er sein Werk, und ich bekam Postkarten nach München mit dem Postskriptum: »Perpeh läßt Dich schön grüßen.« Einmal teilte mir Scheerbart mit: »Perpeh ist fertig; es bewegt sich nur noch nicht« – für ein Perpetuum mobile offenbar ein Nachteil. [...]"

Maschinen, die Botschaften verschicken, heißen heute Bots. In Gang gesetzt, generieren sie automatisch Antworten. Nach und nach Subjektstatus erringend, informierte auch »Perpeh« seine Adressaten* über den Fortgang seiner Verfertigung – per Post. Heute geht alles schneller und doch geht es immer noch um eines: das Tempo möglicher Revolutionen mitbestimmen zu können – auch beim Hardware-Hacking. Dafür braucht es neben viel Geduld auch einiger Korrekturen am Code: zwei Schritte nach vor, zwei zurück – der Anfang einer Umdrehung, dem Uhrzeigersinn entgegengesetzt...



Maschinen spielen nicht, sie singen nicht, sie arbeiten – rastlos und regelmäßig und mithilfe von Befehlen, von Menschen encodiert. Hardware-Hacking ist eine Möglichkeit ihr (Nicht-)Funktionieren zu verstehen, zu beobachten, auszuprobieren, Sicherheitslücken zu entdecken und zu experimentieren. Durch (Re)kombination von Vorgefundenem entsteht Neues, Schrottplätze werden zu Fundgruben, Alltagsgegenstände erscheinen in anderem Licht.



Vielleicht ist Basteln ein Ausweg – nicht nur, um sich das, was von anderen* proprietär erschaffen wird, anzueignen; auch, damit dieses etwas uns am Ende nicht versklavt – frei nach Karl Marx: „den Maschinen die Arbeit, uns das Vergnügen!“



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